Wem gehört Deutschland?

Super-Reiche und ihr "Privateigentum"

Die reichere Hälfte in Deutschland verfügt über 99,5 Prozent des gesamten Nettovermögens, die ärmere Hälfte besitzt lediglich 0,5 Prozent (Bild: www.ungleichheit.info / Daten: Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2021, S.44)

Es ist kaum zu glauben, aber in Deutschland lebt jeder 6. Mensch an oder unter der Armutsgrenze, mehr als jedes 5. Kind lebt in Armut – und das, obwohl wir ein reiches Industrieland sind. Während in den vergangenen Jahren einerseits die Armut gestiegen ist, ist andererseits der Reichtum gewachsen: Im Jahr 2018 titelte das Nachrichenmagazin „Spiegel“, dass 45 Superreiche so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der Bevölkerung; heute sind es nur noch zwei Familien. Zwei Familien haben mehr Vermögen als 42 Millionen Menschen. Vielleicht ist es sogar nur eine einzige Familie, die über mehr Vermögen verfügt, als die gesamte ärmere Hälfte zusammen.
Es stimmt, dass hierzulande niemand den Hungertod fürchten muss; wir leben in einem Wohlfahrtsstaat, der auch denjenigen hilft, die nicht alleine über die Runden kommen würden. Doch die klaffende Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer und birgt die Gefahr, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu sprengen. Die soziale Mobilität ist gesunken (das bedeutet, dass die soziale Herkunft immer wichtiger wird), die Einkommen wachsen nur und umso schneller, je höher sie ohnehin sind, und die Vermögenskonzentration ist grotesk.

Die Vermögensungleichheit an die erste Stelle und vor Einkommen zu setzen, ist eine bewusste Entscheidung. Denn die Vermögensungleichheit ist sehr viel extremer als die Einkommensungleichheit in Deutschland. Laut einer aktuellen Umfrage („Politics of Inequality“) der Uni Konstanz halten jedoch die meisten Menschen die Einkommen für ungleicher verteilt. Doch dem ist nicht so: Die reichere Hälfte hat 99,5 Prozent des Gesamtvermögens, die ärmere Hälfte besitzt 0,5 Prozent.

Betrachtet man die individuellen Vermögen, ergibt sich eine extreme Ungleichheit: Die reicheren 50% der deutschen Bevölkerung besitzen 99,5% aller Vermögen, die Menschen der ärmeren Hälfte 0,5%. (Quelle: 6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2021, S. 44).

Der „Spiegel“ machte 2018 damit Schlagzeilen, dass 45 deutsche Überreiche so viel Vermögen besitzen wie die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung insgesamt. Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jedoch Datenlücken bei sehr großen Vermögen geschlossen und gezeigt, dass die Vermögenskonzentration tatsächlich extremer ist als bisher angenommen (das reichste 1 Prozent besitzt 35 Prozent statt 22 Prozent), während die ärmere Hälfte weniger besitzt als vermutet (ca. 0,5 Prozent statt 1,4 Prozent). Seitdem hat sich das Vermögen der reichsten Familien trotz des gesamtwirtschaftlichen Abschwungs durch die Corona-Pandemie weiter vervielfacht. Damit besitzen Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland) und die Familie Boehringer und von Baumbach mit mindestens 95 Milliarden Euro mehr als die ärmere Hälfte der deutschen Bevölkerung.

Quelle: https://ungleichheit.info/de/deutschland